Meine Anfänge in der Hobbysparte  "Civil War"
von Monika Brummer

Vor knappen 7 Jahren ging ich als Gründungsmitglied des Vereins San Antonio Renegades in die Geschichte meines Hobbylebens ein und kam meinem Kindheitstraum, ein "Sissi"-Kleid, schon sehr nahe. Völlig unbedarft entschied ich mich, aufgrund des ansprechenden Outfits anderer Frauen, für die Frau im amerikanischen  Bürgerkrieg, genauer für eine "Südstaatenschönheit". Mit dieser Entscheidung begann ein schwieriger Entwicklungsprozeß, der zunächst relativ einfach erschien. Mein erstes Werk sollte ein ausladendes Ballkleid mit allen Schikanen sein. Kein Problem? Von wegen.
Die ersten Hürden stellten sich mir in den Weg und es sollten bei weitem nicht die letzten sein.
Welchen Stoff kann ich verwenden, und wie viel brauche ich davon? Wie gestaltet sich die Farbgebung? Soll der Stoff ein Muster haben? Wenn ja welches?
Nach welchem Schnittmuster kann ich mich richten? Gibt es bestimmte Modevorgaben aus der Zeit des Bürgerkrieges? Welche Anlaufstellen gibt es für Accessoires? Welche brauche ich? Wo bekomme ich die Unterbekleidung? Wie sieht sie überhaupt aus?
Viele dieser Fragen konnten mir meine männlichen Kollegen, Soldaten aus der gleichen Hobbysparte nicht, oder nur oberflächlich beantworten. Frauen aus anderen Vereinen gaben ihre Quellen und Informationen nur schleppend preis, hatten an einem "Neueinsteiger" kein Interesse oder paßten nicht
in meinen Darstellungsbereich. Also mußte ich mich selbst schlau machen. Für Unterbekleidung war der Flohmarkt ein Geheimtip. Die alten Unterhemden und -hosen aus Omas Zeiten paßten für meinen Verwendungszweck recht gut. Mehr war dort aber nicht zu holen. Die Stofffrage analysierte ich mit meinen "Soldaten" und wurde in einem Textilgeschäft schnell findig. Die Stoffmenge nahm ich per Augenmaß. Ich kam meinem Ziel näher. Die Accessoires und das Schnittmuster fand ich in einer Zeitschrift für Brautmode. Jetzt kam das Hauptproblem! Wie sollte ich mit meinen Nahkünsten ein solches Kleid zaubern? Ich konnte eine Näherin finden, die mich beim Nähen anleitete und schwierige Schritte übernahm. Als es endlich fertig war, wartete ich auf die erste Veranstaltung, um mein Wunderwerk zu tragen. Ein Sommerfest eines befreundeten Vereins stand 14 Tage später auf dem Vereinsprogramm. Endlich war es so weit. Voller Euphorie quetschte ich mich in die "Folterinstrumente" Unterwäsche, Korsett, Unterröcke, Reifrock, Überröcke und Kleid. Ich hätte dasAnziehen und Bewegen vorher öfter üben sollen. Die heutigen Räume einer Wohnung sind der damaligen Kleidermode nicht unbedingt zugeschnitten, und ich hatte das Gewicht der Kleidung unterschätzt. Außerdem kam das Transportproblem auf mich zu. Nachdem Kutschen heute eher zu den außergewöhnlichen Transportmitteln zählen, mußte ich mich in das Auto falten und konnte nicht mehr selbst fahren. Nach dem Umkleiden, Einsteigen und Aussteigen kam ich ziemlich genervt auf dem Fest an. Mein Erscheinen erzielte die gewünschte Aufmerksamkeit, aber das war fast das einzig positive an diesem Abend. Das Gelände ist leider kein Ballsaal und manchmal kam ich mir wie ein Besen vor, wenn
zum x-ten Mal Blätter, Äste und anderes Material an meinem Saum hängenblieben. Die Sitzmöglichkeiten waren in diesem Outfit eine Katastrophe. Holzrundlinge, Biertischgarnituren, kleine Bänke ums Lagerfeuer und enge Tische zwangen mich überwiegend zum Stehen. An lustigen Gesprächen und geselligem Beisammensein am Lagerfeuer konnte ich schon gar nicht teilnehmen. Essen und Trinken nach Lust und Laune?!? Nicht wenn man den anschließenden Toilettengang (Dixi-WC) im
Hinterkopf hat. Zu allem Überfluß beendete strömender Regen meinen Aufenthalt auf dem Fest frühzeitig. Also, ein voller Erfolg, oder? Mein "Traumkleid" hatte unter den Rahmenbedingungen und meiner Blauäugigkeit sehr gelitten. Ein brauner, dreckiger Saum, Flecken und eine lose Rüsche waren der einzige Erfolg.
Dieses Schlüsselerlebnis veranlaßte mich mir die Fragen zu stellen:
Wie haben die Frauen diese Schwierigkeiten in den Griff bekomme? Welchen Lebensumständen und Lebensformen waren sie ausgesetzt? Welche Tricks gab es damals? Wie waren die "Ladies" organisiert und welchen Aufgaben gingen sie nach? Welchen Einfluß hatte der Krieg auf die Frauen und wie meisterten sie das tägliche Leben? Welche "Highlights" gab es und wie verhält man sich dort? Welchen Stellenwert hatten die Frauen in dieser Zeit? Wie kann ich das praktische Vereinsleben mit der Mode kombinieren?
Heute weiß ich, daß ein Ballkleid als Pflichtbestandteil zur kompletten Garderobe gehört, aber in den seltensten Fällen öfter als 2x im Jahr in Gebrauch ist.

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